Wegmarke 5 –
Die Herberge
Ich finde einen Ort der Ruhe
Der Weg hat mich weitergeführt.
Nicht schnell.
Nicht leicht.
Aber Schritt für Schritt.
Als die Sonne sich senkt, sehe ich sie in der Ferne.
Eine Herberge.
Ein Ort, der Schutz verspricht.
Ich trete ein.
Niemand stellt Fragen.
Ich darf einfach da sein.
Ich setze mich.
Meine Füße schmerzen.
Hier, in der Stille der Herberge,
höre ich das leise Wort:
"Erkenne nur deine Schuld"(Jer 3,13).
Nicht als Anklage,
sondern als Einladung.
Ich muss nichts mehr beschönigen,
nichts mehr verstecken.
Als ich es ausspreche,
verliert es seine Macht über mich.
Wasser wird gebracht.
Das Wasser ist kühl.
Es reinigt nicht nur meine Haut.
Es erreicht etwas Tieferes.
Die Wahrheit macht Raum.
Und Vergebung beginnt zu fließen.
Ich atme auf.

Eine warme Mahlzeit wird mir gereicht.
Dazu frisches Wasser
und Brot.
Und später ein Becher Wein.
Ich nehme an.
Etwas in mir wird still.
Dann bringt man Öl.
Sanft werden meine Wunden berührt.
Sorgsam.
Ohne Eile.
Ich werde gesehen.
Nicht verurteilt.
Andere sind hier.
Pilger wie ich.
Ich muss nichts erklären.
Ich gehöre dazu.
In dieser Nacht schlafe ich.
Tief.
Ohne Angst.
Zum ersten Mal seit meinem Aufbruch
kehrt Frieden in mein Herz zurück.
Nicht weil der Weg zu Ende ist.
Sondern weil ich weiß:
Ich werde geführt.
Gebet
Großer Gott,
Du hast mich hierher geführt,
als meine Kraft zu Ende war.
Du hast meine Wunden gesehen
und mich nicht beschämt.
Du hast mich gereinigt,
gestärkt
und zur Ruhe gebracht.
Wenn ich morgen weitergehe,
dann nicht allein.
Bleib bei mir.
Amen.
Siegelwort:
Ruhe entsteht dort,
wo wir aufhören, uns zu verstecken.
Wer loslässt und sich Gott anvertraut,
findet Frieden - Gottes Schalom.
Schriftwort:
„Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, lässt mich sicher wohnen.“
(Psalm 4,9)

Die Pilgerbriefe vertiefen diesen Weg.
