-
Licht im Tal
Zwischen den Bergen Jerusalems führt der Weg.
Schroff steigen sie auf.
Zerklüftet.
Durchzogen von Spalten und Höhlen.
Wer je in rauem Gelände unterwegs war, weiß:
Berge sind nicht nur schön.
Sie prüfen den Schritt.
Ein falscher Tritt – und der Fuß gleitet.
Lose Steine geben nach.
Abhänge fordern Gleichgewicht.
In den Höhen lauern Räuber.
In Felsspalten verbergen sich Tiere.
Was aus der Ferne ehrwürdig erscheint,
fordert in der Nähe Wachsamkeit.
Und die Sonne brennt.
Sie sticht.
Sie zehrt an der Kraft.
Doch auch die Nacht kennt ihre Prüfungen.
In der Wüste wird es kalt.
Geräusche tragen weiter.
Sie klingen klarer, näher, bedrohlicher als am Tag.
Was im Licht harmlos war,
erscheint im Dunkel größer.
Der Weg nach Jerusalem war nie bequem.
Er war ein Aufstieg – durch Unsicherheit hindurch.
„Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen.“
Nicht, weil der Weg eben ist –
sondern weil einer wacht.
Der Wächter schläft nicht.
Nicht am Tag.
Nicht in der Nacht.
Und mitten in diesem Gelände
geht der Hirte.
Er kennt die Schluchten.
Er kennt die Schattenplätze.
Er kennt die Wasserstellen.
Er weiß, wo Quellen verborgen sind.
Er führt zum Brunnen.
Er führt zum Wasserschöpfen.
Schon in der Wüste war Gott der Fels,
aus dem Wasser hervorbrach.
Nicht nur Führung –
Versorgung.
Nicht nur Schutz –
Erfrischung.
Das Tal ist nicht frei von Gefahr.
Aber es ist nicht gottlos.
Licht im Tal bedeutet:
Du gehst nicht unbeobachtet.
Du gehst nicht unbewacht.
Du gehst nicht unversorgt.
Manchmal strahlt das Licht klar wie der Morgen.
Manchmal brennt es leise wie eine Kerze im Wind.
Doch es erlischt nicht.
Nahara Emet.
Licht der Wahrheit.
Ein Strom, der durch raue Landschaften fließt
und selbst im Schatten Leben hervorbringt.
Biblische Bezüge:
Psalm 23 · Psalm 121 · Psalm 37 · 2. Mose 17
