Wegmarke 3 –
Die Entscheidung
Ort: Tostedt (Rama)
Ich ziehe die neuen Schuhe an
Ich habe sie lange im Rucksack getragen, ohne sie anzuziehen.
Sie waren da. Bereit. Doch ich war es nicht.
Jetzt — jetzt ist der Moment.
Es fällt mir schwer. Sie sind enger, als ich erwartet hatte. Ungewohnt.
Ich trage noch die Sandalen aus der Wüste.
Der Staub liegt noch auf ihnen, doch der Weg hat sich verändert.
Steine liegen auf dem Pfad. Uneben. Hart.
Sie drücken durch jeden Schritt.
Die alten Sandalen tragen nicht mehr wie zuvor. Sie geben keinen Halt.
Ich ziehe die neuen Schuhe an. Fest. Ungewohnt.
Sie geben Halt – aber sie engen auch ein.
Ich war die Weite der Sandalen gewohnt. Luft. Beweglichkeit.
Jetzt ist es anders. Es ist, als würde etwas beschnitten, was mir vertraut war.
Nicht, um mich einzuengen – sondern um mich auszurichten.
Wie die Beschneidung des Herzens:
Ein Loslassen dessen, was einmal gut war, mich aber nicht weiterführt.
Es brennt, weil es neu ist.
Es schmerzt, weil ich mich umstellen muss.
Meine Füße sind empfindlich. Jeder Schritt ist bewusst.
Ich spüre den Boden.
Ich kann mich nicht mehr verstecken.
Wäre es leichter, in den alten Sandalen zu bleiben.
Im Vertrauten.
Im Gewohnten.
Doch ich sehe klar. Sie haben mich getragen, aber sie gehören nicht mehr hierher. Wenn ich sie weitertrage, werden sie mich aufhalten.
Ich muss sie zurücklassen. Nicht aus Undankbarkeit, sondern weil mein Weg weiterführt. Sie haben mich bis hierher getragen, aber sie gehören nicht mehr hierher. Wenn ich sie weitertrage, werden sie mich nur aufhalten.
Ich muss sie zurücklassen. Nicht aus Undankbarkeit, sondern weil mein Weg weiterführt.
Ich lasse los.
Ich richte mich wieder auf.
Der Boden trägt.
Ich gehe weiter.
Langsam. Unsicher. Aber aufrecht.
Und tief in mir wächst eine leise Gewissheit:
Ich werde den Weg gehen können.
Die Erdung im Gehen:
In Tostedt, meinem persönlichen „Rama“, wurde die Entscheidung unumkehrbar. Hier, am Ort der Eröffnung der International Church (2023), wurde mir die Tragweite meines Auftrags bewusst. Der Weg aus der Stadt in die Heide hinein verändert sich: Der Boden wird härter, steiniger. Die alten Sandalen der Wüste (die Zeit von 1980–2020) geben keinen Halt mehr.
Ich musste die „neuen Schuhe“ anziehen – jene festen Stiefel der Landeinnahme, die Gott für mich bereitet hatte. Zu meinem 65. Geburtstag (5994 7 2025) empfing ich im Verborgenen meinen Tallit, die Krone und die Schärpe. Es war ein Moment der „Beschneidung“: Das Loslassen der alten Bequemlichkeit, um die Verantwortung als Älteste für die Mischpoke zu übernehmen. Es brennt, weil es neu ist, aber es richtet mich aus auf das Ziel.
Mehr über diesen Weg der Vorbereitung und meine persönliche Einsetzung erfährst du in meinem Logbuch: [→ Die verborgene Reise – Einzug in die neue Verantwortung].
Gebet
Mein Gott,
ich habe losgelassen, was mich bisher getragen hat.
Ich stehe jetzt anders da. Verletzlicher. Unsicher.
Du hast mich gerufen. Ich bin Dir gefolgt.
Doch jetzt frage ich Dich:
Wo bist Du? Bist Du noch bei mir? Gehst Du noch mit mir?
Ich höre Dich nicht, aber ich hoffe, dass Du da bist.
Siegelwort:
Die Entscheidung kostet. Doch der Weg öffnet sich dem, der bereit ist, loszulassen und neu zu gehen.
Es ist die Zeit des Ester-Spiegels: „Vielleicht bist du gerade um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gelangt?“.
Schriftwort:
„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden.“
(Matthäus 7,7)

Die Pilgerbriefe vertiefen diesen Weg.
