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Wegmarke 3 –
Die Entscheidung

Ich ziehe die neuen Schuhe an

Ich habe sie lange im Rucksack mitgeschleppt,
ohne sie anzuziehen.

Sie waren da.
Bereit.

Doch ich war es nicht.

Jetzt — jetzt ist der Moment.

Es fällt mir schwer.

Sie sind enger, als ich erwartet hatte.

Ungewohnt.

 

Es ist wie die Beschneidung des Herzens (Jer 4,4) –

das Abstreifen einer alten Schutzschicht,

die mich zwar gewärmt, aber auch von der Wahrheit getrennt hat.

 

Es brennt, weil es echt ist.

Es schmerzt, weil das Alte weicht.

Meine Füße sind noch wund vom Weg durch den Schlamm.

Jeder Schritt brennt.

Der erste Schritt ist vorsichtig.

Ich spüre den Boden,
doch ich kann mich nicht mehr verstecken.

Es wäre leichter, in den alten Schuhen zu bleiben.


Im Vertrauten.
Im Schutz.

 

Doch ich sehe sie jetzt klar vor mir.

Die alten Schuhe sind feucht.

Der Schlamm hat sich in ihnen festgesetzt.

Sie haben mich bis hierher getragen, 

aber sie gehören nicht mehr hierher.

Wenn ich sie weitertrage,

werden sie mich nur aufhalten.

Ich muss sie zurücklassen.

Nicht aus Undankbarkeit.

Sondern weil mein Weg weiterführt.

Ich lasse los.

Ich richte mich wieder auf. 

Der Boden trägt. 

Ich gehe weiter.

Langsam.
Unsicher.
Aber aufrecht.

Und tief in mir wächst eine leise Gewissheit:

Ich werde den Weg gehen können.

Gebet

Mein Gott,
ich habe losgelassen,
was mich bisher getragen hat.

Ich stehe jetzt anders da.
Verletzlicher.
Unsicher.

Du hast mich gerufen.
Ich bin Dir gefolgt.

Doch jetzt frage ich Dich:

Wo bist Du?

Bist Du noch bei mir?
Gehst Du noch mit mir?

Ich höre Dich nicht.
Aber ich hoffe,
dass Du da bist.

Siegelwort:

Manchmal beginnt die Antwort dort, wo wir wagen zu fragen.

Schriftwort:

„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden.“
(Matthäus 7,7)

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