Wegmarke 4 –
Die Mitte des Weges
Ich kann nicht mehr
Der Weg ist steiler geworden.
Steine drücken durch die Sohlen meiner Schuhe.
Meine Füße schmerzen bei jedem Schritt.
Mein Wasser ist fast aufgebraucht.
Die Sonne steht hoch.
Der Schatten ist fern.
Ich setze mich.
Zum ersten Mal seit meinem Aufbruch
weiß ich nicht, wie es weitergehen soll.
Es ist der Moment, von dem Jesaja spricht:
'Man trinkt keinen Wein mehr unter Gesang;
das Bier schmeckt bitter' (Jes 24,9).
Die Euphorie des Aufbruchs ist verflogen.
Alles, was mich vorher berauscht oder motiviert hat,
ist schal geworden.
Ich bin am Nullpunkt meiner eigenen Ressourcen.
Ich hebe meinen Blick.
Die Berge ragen vor mir auf.
Woher wird mir Hilfe kommen?
Ich habe losgelassen,
was mich zurückgehalten hat.
Ich bin gegangen,
so gut ich konnte.
Und doch bin ich jetzt hier.
Erschöpft.
Still.
Ich frage leise:
Gott, wo bist Du?
Ich weiß nicht, wie lange ich dort sitze.
Dann höre ich Schritte.
Jemand bleibt neben mir stehen.
Er sagt nichts.
Und doch bin ich nicht mehr allein.
Er reicht mir Wasser.
Ich trinke.
Er gibt mir Brot.
Ich esse.
Kein Urteil in seinem Blick.
Nur Verständnis.
In dieser Leere höre ich Seine Zusage neu: 'Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig' (2. Kor 12,9).
Erst jetzt, wo meine Hände leer sind, kann Er sie füllen.
Er legt mir einen Stab in die Hand.
„Das wird dir helfen.“
Er zeigt mir den nächsten Schritt.
Nicht weit.
Nur bis zur nächsten Herberge.
Als ich wieder aufblicke,
ist er gegangen.
Ich weiß nicht, wer er war.
Aber ich weiß:
Ich war nicht allein.
Und ich bin es auch jetzt nicht.
Ich stehe auf.
Und gehe weiter.
Gebet
Jeschua,
warst Du es, der mir begegnet ist?
Ich habe Dich nicht erkannt.
Und doch hast Du mich gestärkt.
Wenn Du bei mir bist,
dann führe mich weiter.
Schritt für Schritt.
Amen
Siegelwort:
Manchmal begegnet uns Hilfe genau dort,
wo unsere Kraft endet.
Wo dein Wein bitter wird und deine Kraft versiegt,
beginnt der Strom Seiner Gnade zu fließen.
Schriftwort:
„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
(2. Korinther 12,9)

